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Noch waehrend der tuerkischen Zeit war eine Pilgerreise ins Heilige Land vor allem fuer christliche Theologen aller Konfessionen, aber auch für glaeubige Laien ein hohes Lebensziel. Allerdings konnten sich nur ganz Wenige diesen Traum erfuellen, so z.B. der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1898. Solch eine Reise war doch immer noch recht beschwerlich und ein abenteuer in mancherlei Hinsicht. Vor allem aber war sie auch teuer. Ein einfacher Buerger konnte sich das nicht leisten. Auch fuer Pfarrer oder gar Vikare bzw. Kaplaene war eine Pilgerfahrt ins Heilige Land eigentlich nur mit Unterstuetzung oder einem Stipendium ihrer Kirche erreichbar - und wenn ueberhaupt, dann nur unter den einfachsten Reisebedingungen. Politische Hindernisse legte der mohammedanische Sultan den christlichen Pilgern indessen nicht in den Weg. Sie konnten sich frei und ungehindert bewegen. Das Heilige Land war ein friedliches Land.
In den christlichen Laendern des Abendlandes war das Interesse an und die Kenntnis ueber das Heilige Land ungebrochen gross und vital. In den gebraeuchlichen Geschichtsbuechern und Schul-Atlanten z.B. des deutschen Kaiserreichs durften grossformatige Karten des Heiligen Landes nicht fehlen. Die biblisch ueberlieferten Wanderungen Jesu Christi innerhalb Palaestinas waren den damaligen Schulkindern ebenso genau bekannt wie die Missionsreisen des Apostel Paulus innerhalb des Imperium Romanum.
Der Blick auf Landkarten konnte zwar die Fantasie reizen, jedoch natuerlich nicht den Bildungshunger der Menschen in der, verglichen mit heute, aeusserst bilderarmen Zeit befriedigen. Da half nun eine neue Technik, die Fotografie. Deren Handhabung und Beherrschung war allerdings noch eine Kunst fuer sich. Schwergewichtige, umstaendliche Apparate waren zu bewegen und zu bedienen. Auch die Entwicklung und Konservierung der eingefangenen Bilder waren eher Gefuehls- und Glueckssache. Als Filmtraeger dienten duenne Glasplatten, die eine Befoerderung im einachsigen, ungefederten Eselskarren ueber mehrtausendjaehrigen Plflasterwegen allenfalls nur wenige Meter ueberstanden haetten.
Bei den verwendeten Bildvorlagen handelte es sich um Glasplatten-Diaposivite im Format 9x9 cm. Sie wurden einzeln von Hand mit Spezialfarben koloriert. Echte Farbfilme kamen erst Jahrzehnte spaeter auf. Was diese Bilder aber eigentlich erst richtig zur Raritaet macht, ist die Tatsache, dass es sich um Stereobilder handelt, die man nicht etwa in einem Fotoalbum sondern nur durch ein Raumbild-Geraet mit 2 Okularen betrachten konnte. Die grandiose Tiefenwirkung fasziniert auch heute noch! Diese Wirkung laesst sich im Druck natuerlich nicht so einfach wiedergeben. Aber auch ohne diese technische Raffinesse fesseln sie uns aus ganz anderem Grund. Sie zeigen das Heilige Land als uralte Kulturlandschaft. Wenn wir uns ein wenig in die Bilder hineindenken, koennten uns biblische Gestalten gegenuebertreten. Wir koennten Jesus Christus begegnen.
Bezogen auf die damaligen tatsaechlichen und technischen Umstaende sind die Bilder in ihrer Komposition anruehrende, einfache kleine Kunstwerke und zugleich historische Zeitzeugnisse. Sie haben Unwiederbringliches festgehalten.
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